Solarkocher?
Mittagspause. Schön beim Kamps Brötchen holen (darüber schreib ich jetzt mal nicht). Auf dem Rückweg stand vor der Bücherei der Stand der Solarkochschule. Erst wollte ich weitergehen, dann besann ich mich, doch Doktor der Ökotrophologie und damit verpflichtet zu sein, mir das mal genauer anzusehen. Der Solarkocher. Son Ding hatte ich schon mal gesehen. Ein stark reflektierender Aluspiegel, der die auftreffenden Sonnenstrahlen auf nen Kochtopf schmeißt (oder so ähnlich), damit dieser sich und die darin befindliche Nahrung erhitzt.
Schön. Sinn des Ganzen? Umweltschutz. Entwicklungshilfe in Afrika. Die Schüler der Hauptschule 9a werden für politisch korrekte Themen sensibilisiert und hängen nicht vor der Playstation ab. Aber irgendwie kommt man da ins Grübeln: Auch in Afrika ist ein Lagerfeuer klimaneutral, besser gesagt CO2-neutral. Natürlich ist es besser, wenn das C im Holz (o.ä.) gebunden bleibt und statt dessen auf der Aluschale gekocht wird, aber selbige muss ja erstmal produziert, verkauft, nach Afrika verschifft, geschleppt und aufgebaut werden, um bei Bewölkung und nachts nicht zu funktionieren. Schon die Stand-in-der-Bonner-City-Aktion hat wahrscheinlich mehr CO2 freigesetzt, als mit dem Sonnenfeuer “eingespart” werden könnte.
Na gut. Es gibt ja noch die Entwicklungshilfe. Konstruiert in Deutschland, hergestellt in Deutschland und vor Ort in 3h zusammengesetzt. Da lernt das kleine afrikanische Dorf immens viel. Wie sich Mzungu selbst beschäftigt, zum Beispiel. Produktiver wird davon auch niemand. Am besten lässt sich noch das verhasste Nachbardorf abflemmen, wenn man den Fokus des Spiegels ändert.
Spaß beiseite. Positiv ist natürlich wirklich, dass Schüler bei der Sache etwas lernen. Aber dann sollten sie auch den kritischen Blick auf solche Projekte lernen. Zum Beispiel, dass der Vorstand des Eg-Solar-Vereins, zu dessen Gunsten die Liquidation des Rheinbacher Vereins geht, zufällig mit dem Hersteller der Spiegel übereinstimmt. Also, lieber Hauptschüler: Gründe eine Firma. Dann gründe einen Verein, der Deine Produkte von Spendengeldern kauft. Die Idee mit den Solarspiegeln hatte schon wer, aber es gibt immer neu Ideen, mit denen man toll die Welt verbessern kann.
